- Wie wahrscheinlich ist dieses Gefährdungsszenario für die Schweiz? Begründen Sie Ihre Einschätzung mit Argumenten aus der Broschüre und der Webseite. (Welche Entwicklungen oder Hinweise sprechen dafür oder dagegen?)
- Welche möglichen Auswirkungen hätte dieses Szenario auf die Schweiz? (Denken Sie etwa an die Bevölkerung, Wirtschaft, Umwelt, Infrastruktur oder Politik.)
- Welche wichtigsten Erkenntnisse aus dem Lehrmittel sollte Ihre Gruppe weiter zu diesem Thema wissen? (Zentrale Fakten, Beispiele, Zusammenhänge oder mögliche Lehren für die Zukunft.)
Rüstungsdynamik
Aufstockung von bestehenden militärischen Mitteln sowie Entwicklung und Weiterverbreitung neuartiger Waffensysteme, zum Beispiel Drohnen, autonome Systeme, Hyperschallwaffen, Kontrolle von konventionellen Rüstungsgütern und Massenvernichtungswaffen
Weiter geht’s in der Broschüre!
In der Broschüre (S. 32-37) finden Sie Fachinformationen zum Gefährdungsszenario D «Rüstungsdynamik».
- Seite33
Erhöht Aufrüstung die Sicherheit?
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Wie haben sich Aufrüstung und Abrüstung entwickelt?
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Welche Aufrüstungstendenzen zeichnen sich ab?
Einschätzung der Lage
Die heutige Sicherheitslage wird nicht nur durch Kriege bestimmt, sondern auch durch wirtschaftliche Abhängigkeiten und den Wettbewerb um neue Technologien. Staaten sind weltweit stark miteinander vernetzt, was Vorteile bringt, aber auch neue Risiken schafft. Wenn wichtige Rohstoffe, Computerchips oder digitale Dienste ausfallen, kann dies grosse Probleme verursachen. Auch Angriffe auf Stromnetze, Kommunikationssysteme oder andere wichtige Infrastrukturen können schwere Folgen haben. Gleichzeitig nutzen grosse Staaten wie die USA und China wirtschaftlichen Druck, Sanktionen oder Handelsbeschränkungen, um ihre Interessen durchzusetzen. Der Wettlauf um neue Technologien wie künstliche Intelligenz oder Quantencomputer verschärft diese Spannungen zusätzlich. Diese Technologien verändern nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Kriegsführung.
Quellen und Meinungen
Auf wahrscheinlichste Bedrohungen ausrichten
Aufgrund dieser verschlechterten geopolitischen Lage haben der Bundesrat und das Parlament entschieden, die Armee wieder auf die Verteidigung auszurichten und rasch zu stärken, sowohl personell als auch materiell. Sie wollen die Armeeausgaben bis 2032 auf ein Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erhöhen. Diese Bestrebungen werden jedoch von zwei Faktoren stark behindert:
Die Situation auf dem Rüstungsmarkt ist angespannt.
Die Schweizer Rüstungsindustrie existiert nur noch sehr begrenzt.
Die Schweiz ist fast völlig vom Ausland abhängig, um militärische Systeme, Lenkwaffen und Munition zu beschaffen.
Abwehr von Bedrohungen aus der Luft verbessern
Angesichts der ausserordentlichen Bedrohung des europäischen Luftraums will der Bundesrat die Sicherheit und Verteidigung der Schweiz substanziell stärken. Die Armee und die zivilen Bundesämter mit Sicherheitsaufgaben sollen sich die nächsten Jahre prioritär auf die Abwehr der wahrscheinlichsten Bedrohungen ausrichten:
Angriffe aus der Distanz.
Angriffe durch Drohnen.
hybride Bedrohungen: Cyberangriffe, Desinformation, Spionage.
Der Schwerpunkt des Rüstungsprogramms 2026 liegt bei der Abwehr von Bedrohungen aus der Luft.
Armee-Ausbildungschef: «Wenn Europa bedroht wird, werden wir bedroht»
Der Bundesrat beschliesst mit der Armeebotschaft 2026 eine massive Aufrüstung und warnt, die Schweiz sei ungenügend geschützt. Die Armee sei nicht bereit, sagt auch der neue Ausbildungschef Gregor Metzler im Interview mit dem «Club».
SRF: Mit welcher Gefühlslage haben Sie das Amt als Chef der Ausbildung der Armee übernommen?
Gregor Metzler: Ich bin jetzt seit dreissig Jahren Berufssoldat und seit vierzig Jahren in der Armee. In meiner Zeit war immer schönes Wetter. Jetzt zeichnet sich eine sehr anspruchsvolle Lage ab, und davor habe ich grossen Respekt.
SRF: Was heisst das konkret für die Schweiz?
Gregor Metzler: Wenn Europa bedroht wird, werden wir auch bedroht. Es kann noch in diesem Jahrzehnt losgehen. Das macht mir Sorgen, weil unsere Armee noch nicht bereit ist, unser Land nachhaltig zu verteidigen. Heute geben wir am wenigsten von allen in Europa für die Sicherheit aus. […]
SRF: Verteidigungsminister Martin Pfister sagt, erst 2050 wäre die Armee wieder voll einsatzfähig. Sie sagen auch, wir sind nicht bereit.
Gregor Metzler: Ich finde es nicht moralisch, dass wir junge Leute ausbilden im Wissen, dass wir nicht genug Material haben. Momentan könnten wir einen Drittel ausrüsten, zwei Drittel nicht.
SRF: Immerhin wird die Schweiz bis 2032 die Verteidigungsausgaben auf ein Prozent des BIP erhöhen. Reicht das nicht?
Gregor Metzler: Das ist eine politische Diskussion. Wie viel Geld wollen wir für Sicherheit ausgeben? Heute geben wir am wenigsten von allen in Europa aus. Ich habe das Gefühl, auch als Bürger dieses reichen Landes, dass wir uns viel mehr Sicherheit leisten könnten. Denn wenn es einmal so weit ist, dann würden wir auch die Systeme und Waffen gebrauchen, die wir heute nicht haben.
[…]
Atomare Rüstungskontrolle auf dem Rückzug
Die neuesten Zahlen sind beeindruckend – und besorgniserregend. Zurzeit gibt es weltweit 9745 einsatzfähige Atomwaffen. Sie haben die Zerstörungskraft von 135'000 Hiroshima-Bomben. Aus der jüngsten Ausgabe des jährlichen «Nuclear Weapons Ban Monitor» geht ausserdem hervor, dass immer mehr dieser Waffen kurzfristig eingesetzt werden könnten.
Dazu kommt, so Alistair Burnett von Ican, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Kampagne gegen Atomwaffen: «Kein einziges Abkommen über atomare Rüstungskontrolle gilt mehr.» Das letzte, New Start, zwischen den USA und Russland lief im Februar [2026] ersatzlos aus. Entsprechend gibt es keinerlei verbindliche Obergrenzen mehr für die Zahl von Atombomben.
Grethe Lauglo Ostern, die Herausgeberin des Atomwaffenberichts, befürchtet deshalb: «Die Gefahr, dass Konflikte zu Atomkriegen eskalieren, nimmt zu.» Und Hans Kristensen von der Föderation Amerikanischer Wissenschaftler und einer der weltweit führenden Experten für Nuklearrüstung spricht vom «Ende der Ära atomarer Abrüstung».
Auf der einen Seite bekennt sich eine knappe und weiterwachsende Mehrheit aller Länder zum UNO-Atomverbotsvertrag. Besonders in Afrika und Lateinamerika. Aus Sicht dieser Staaten bedrohen Atombomben das Überleben der Menschheit. In Europa stehen hingegen nur gerade Österreich, Irland, Malta, der Vatikan, San Marino und Liechtenstein hinter diesem Abkommen. Die Schweiz bleibt auf Distanz.
[…]
Auf der anderen Seite hat keine einzige der neun Atommächte das Atomwaffenverbot unterzeichnet. Alle, ausser Israel, bauen derzeit vielmehr sogar ihre Arsenale aus, momentan tut das besonders stark China. Diese Länder modernisieren oder haben Pläne für nukleare Aufrüstung wie etwa Frankreich. Diese Regierungen gewichten die Bedeutung, ja die Notwendigkeit von Atomwaffen sogar wieder höher als noch vor kurzer Zeit.
Wie geht’s weiter?
Ergänzen Sie Ihr Factsheet mit den gewonnenen Erkenntnissen. Speichern Sie das fertige Factsheet auf Ihrem Computer oder auf Ihrer Klassenplattform ab. Bearbeiten Sie danach ein zweites Szenario Ihrer Wahl.
Falls Sie bereits zwei Szenarien bearbeitet haben, wechseln Sie nun auf die Klassenplattform und studieren die Factsheets Ihrer Kolleg:innen. Im Anschluss füllen Sie den Sicherheitsspider ein zweites Mal aus und vergleichen das Resultat mit Ihrer ersten Einschätzung.